Sie sind hier: Startseite > Geschichte > Die Jahre 1800 - 1900

Die Jahre 1800 - 1900

Eine Chronik dieser Wehr ist zeitlich etwa Anfang 1800 anzusetzen. Die alte „Feuerordnung“ aus dem Jahr 1798 bestimmte für das „Fürstenthum Osnabrück“ die Anschaffung einer „Feuersprützen“ in jedem Kirchspiel. Wann genau diese Vorschrift im Amt Wittlage umgesetzt worden ist, solches geben nicht einmal die Akten im Staatsarchiv her. Die erste schriftlich bekannte Nachricht über eine Spritze im Kirchspiel Lintorf datiert vom 21. Februar 1821. Die „Königlich Großbritannisch Hannoversche Kammer in Hannover“ wollte vom Amt Wittlage-Hunteburg genau wissen, wie die Situation seiner „Feuerlöschanstalten“ aussehe, wie man die Gesamtgeräte zur Brandbekämpfung damals titulierte. Großbritannisch deshalb, Weil das Königreich Hannover in Personalunion mit Großbritannien von einem ursprünglichen Welfensproß regiert wurde. Aus dem ziemlich langatmigen Bericht ist ein Satz für das Alter der Lintorfer Wehr wichtig:

....Diese Sorge wird jetzt um so wichtiger; da im Amt Wittlage nur drei, und im Amt Hunteburg nur drei Feuersprützen vorhanden sind, die nötigen Leitern und langen Feuerhaken, womit man in der Noth ein ganzes Gehäude niederreißen kann, gänzlich fehlen ….“

Die angesprochenen drei Feuerspritzen waren in den drei Kirchspielen Barkhausen, Essen und Lintorf stationiert und zwar jeweils nahe der Kirche. Die Ausnahme machte das Kirchspiel Barkhausen, wo der Stationsort der Spritze Rabber war, da von dessen Kapelle die übrigen Orte etwa gleich weit entfernt waren. Zumindest 1821 gab es demnach eine Feuerwehr in Lintorf. Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese älteren Datums ist. Am 18. März 1823 hat Wittlage vermerkt, der Untervogt von Lintorf habe mit dem Spritzenmeister Blase die zweimalige Feuerschau im Ort durchgeführt. Jedes Haus im Amt, ausgenommen die Adelssitze, wurden einer zweimaligen Überprüfung der Einhaltung der vorgeschriebenen Feuersicherheit im Jahr unterzogen. Der genannte Spritzenmeister Blase war der gewählte, vereidigte Leiter der Feuerwehr. Nach Vorgabe von Wittlage sollten als Angehörige der Wehr vorzugsweise Handwerker, wie Schmiede, Zimmerleute, Maurer, Sattler, Schuster und Stellmacher verpflichtet werden. Die Eidesformel des jeweiligen Spritzenmeisters ist für den Colon Wißmann überliefert, der am 10. Januar 1849 in Wittlage seinen Eid ablegte:

„Ich gelobe, daß ich als ein sorgsamer und tüchtiger Spritzenmeister die Feuerwehrgeräthschaften in guter Ordnung und brauchbarem Stande halten will, bei ausbrechenden Feuer zeitig und schleunig mit den Löschgerätschaften zur Stelle sein und nach meinen hesten Kräften und Wissen zur Löschung des Feuers beitragen und wirken, überhaupt mich stets so betragen will, wie es einem ehrlichen und tüchtigen Spritzenmeister zukommt. So wahr mir Gott helfe!“

In einem Vertrag zwischen der Ortschaft Lintorf und dem Spritzenmeister Erbkötter Blase vom 30. März 1830 verpflichtet sich letzterer, gegen eine jährliche Entschädigung von einem halben Taler, einen Notteich für Feuerlöschzwecke in seinem Hausgarten anzulegen. Dieser Notteich sollte auf Dauer bestehen bleiben. Und er hat wirklich Weit über 100 Jahre als Wasserreservoir für Löschzwecke in der Ortschaft gedient. Eine erhaltengebliebene Originalrechnung im Besitz des Berichterstatters über Aktivitäten der Lintorfer Wehr hat folgenden Wortlaut:

Für die beim Lockbauser Brande in meinem Hause von der Spritzen Companie zu Lintorf gemachten Zwecke ist mir durch Blasen Vormund, Küster Bockelmann, der dem Blasen aus der Kirchspiels Rechnung zugestellte I Reicbstaler richtig überliefert.

Lintorf den 20. Januar 1839

L. Weber.“

Zwei Dinge werden hier angesprochen. Erstens, man ist zu einem Brand nach Lockhausen ausgerückt, das jedenfalls zu Fuß erst spät erreicht wurde, auch wenn die pferdebespannte Spritze schneller da war. Hinterher wurde bei dem Lintorfer Wirt Weber dafür gesorgt, daß mit Bier und Korn auch innen alles schön feucht blieb. Es wurde jedoch exakt der eine Taler aus der Kirchspielerstattung für diesen Einsatz vertrunken. Lintorf bedurfte immer in den folgenden Jahren seiner Wehr und der hier stationierten Spritze. Immer wieder flackerten im Ort einzelne Brände auf, die jeweils ein Haus verglühen sahen, aber ein Weitertragen des Feuers wurde dank des Löscheinsatzes der Wehr vermieden. Trotz aller Bemühungen, trotz des Einsatzes aller männlichen Kräfte über 14 Jahre aus dem Ort und den Nachbarorten, trotz des Hinzukommens aller Wehren und Spritzen der engeren und weiteren Umgebung, war die ganz große Brandkatastrophe am 24. April 1844 in Lintorf nicht zu verhindern. Begünstigt und weitergetragen wurde das Feuer durch den fast Sturmstärke erreichenden Nordwestwind, der den Roten Hahn mittels Funkenflug von einem Strohdach zum nächsten trug. Innerhalb kürzester Zeit wurden 52 Häuser ein Raub der himmelhoch zuckenden gierigen Flammen. Die Wehren aus Rabber, Essen, Ippenburg, Preußisch Oldendorf und Levern bemühten sich verzweifelt, dem Roten Hahn Einhalt zu gebieten, aber der stürmische Wind, das fehlende Löschwasser und die Anhäufung von leicht entflammbarem Stroh und Heu unter dem sowieso entzündbaren Strohdach machten letztlich alle Bemühungen zunichte. So krähte der Rote Hahn lauthals und ausdauernd und legte über die Hälfte der Häuser des Dorfes in Schutt und Asche. Beim Wiederaufbau wurde amtsseitig die frühere enge Dorfbebauung zugunsten einer größeren Feuersicherheit aufgelöst. Nicht nur Lintorf, Hördinghausen und Dahlinghausen wurden von Großbränden heimgesucht, sondern auch der Nachbarort Rabber. Es ist für die Lintorfer Wehr deshalb von Interesse, weil in zwei Fällen die erhaltenen Akten im Staatsarchiv Osnabrück folgenden Hinweis enthalten:

Die Spritze der Bauerschaft Líntorf wírd an der ersten auswärtigen bei dem in Rabber stattgehabten Brandes nach § 33 der Feuerordnung eine Prämie von 3 Reichstaler bewilligt.“

Am 1. Juni 1849 gingen in Rabber nacheinander fünf Häuser, am 16. Februar 1850 drei Häuser und am 12. Dezember 1850 weitere 2 Häuser in Flammen auf. Bei allen drei Einsätzen konnte immer nur versucht werden, die an- und umliegenden Gebäude zu schützen. In keinem Fall, auch späterhin nicht, konnte der eigentliche Brandherd gelöscht werden. Bei dem Brand am 16. Februar 1850 herrschte seit einigen Wochen schon bitterer Frost, so daß alle Teiche und Wasserkuhlen mit einer dicken Eisschicht bedeckt waren, als Wasser für die Spritzen blieben nur die Hausbrunnen. Mit Eimerkette mußte es vom Brunnen zum Wasserkasten der Spritze befördert werden, da die damaligen Feuerspritzen nicht selbstansaugend einen Saugwind- und Druckwindkessel, sondern nur zwei Druckwindkessel besaßen, die wechselweise beaufschlagt wurden. Der Lintorfer Feuerwehrmann Blase war in einen Hausbrunnen hinabgestiegen und förderte auf einer Leiter stehend Eimer um Eimer nach oben. Mit der Zeit wurde er klatschnass. Nach dem Einsatz fuhr er mit seinem Gespann nach Hause, aber die grimmige Kälte ließ seine Kleidung gefrieren, so dass sie ihm vom Leibe geschnitten werden musste, als er daheim angelangt war. Er erkrankte an Lungenentzündung und starb. Die Wehr Lintorf hatte ihr erstes Einsatztodesopfer. Es dürfte müßig sein, alle Einsätze der folgenden Jahre von Levern, Preußisch Oldendorf bis hin nach Wehrendorf hier Punkt für Punkt im einzelnen aufzuführen. Bei der Vielzahl der Brände waren die Lintorfer Feuerwehrleute strammbeschäftigt. In einem Vertrag vom 12. Februar 1862 zwischen der Samtgemeinde Lintorf und dem Uhrmacher Bröer wird letzterer mit der Pflege und dem Abschmieren der Kirchspielspritze für den jährlichen Betrag von 11/2 Talern beauftragt. Er muß seine Sache ausgezeichnet versehen haben, denn in der Ausschußsitzung der Samtgemeinde Lintorf vom 15. Juni 1875 wird Hermann Bröer mit 17 von 18 Stimmen zum „Spritzenmeister der Sprütze zu Lintorf erwählt“. Natürlich erhält er eine „lnstruction“ über seine Pflichten in dieser verantwortungsvollen Position. Seit vielen Jahren kämpfte die eingesetzte Mannschaft der Pflichtfeuerwehr um einen ausreichenden Obolus bei ihrem Dienst am Nächsten. Am 10. Februar 1877 wurde eine Entlohnung je Feuerwehrmann von 25 Pfennig für jeden Einsatz von der Samtgemeinde Lintorf genehmigt. Wenn wir solches heute mit unseren Begriffen von den jetzigen Stundenlöhnen lesen, dann erscheint diese Entlohnung einfach erbärmlich. Ein Liter Bier kostete 21 Pfennig, ein Schnaps 5 Pfennig, ein kleines Brot 8 Pfennig, daher gab es schon einen gewissen Gegenwert für diese paar Groschen. Eines sollte man dabei nicht vergessen, die verschiedenen Feuerversicherungen zahlten den Feuerwehren für ihre Brandeinsätze ganz ansehnliche Prämien, die dann wenigstens zum Teil darüber hinaus an die einzelnen Feuerwehrmänner verteilt wurden. Der andere Teil floss in die gemeinsame Feuerwehrkasse. Wenn man die aufgezeichneten Kassenberichte aufmerksam verfolgt, so ist so manche Mark für Freibier und die obligatorische Literflasche Schnaps geflossen. Ein Problem mußte und wollte der neugekürte Leiter der Lintorfer Wehr ebenfalls lösen: eine neue Feuerspritze mußte her. Zwar pumpte das alte Schätzchen unverdrossen infolge guter Wartung nach wie vor, aber sie war von der Mechanik und der technischen Weiterentwicklung her längst veraltet. Die begehrlichen Blicke der Lintorfer Wehr waren seit langem auf die eleganten, leichten und modernen Spritzen mit freiliegenden Ventilen, die einen Saugwind- und einen Druckwindkessel besaßen, gerichtet. Man konnte den mitgelieferten Saugschlauch einfach in ein Wasserreservoir legen und schon pumpen, pumpen und pumpen. Keine Wassereimerkette der jeweiligen Ortseinwohner mehr, die so mühsam von den eigenen Leuten dirigiert werden mußte, sondern ein Vorfahren am Teich, Schläuche ausrollen, anschließen, Saugschlauch rein - Wasser marsch! Nun hob das altbekannte Spielchen an, hier die Vertreter der Samtgemeinde, die dieses teure „Luxusgefährt“ bewilligen und bezahlen sollten, denn der Spritzentraum kostete die damals ungeheure Summe von 1700 Mark, und dort die Wehr, die eine für sie akzeptable und technisch auf dem neuesten Stand gefertigte Spritze wünschte. Wie immer mußten dicke Bretter gebohrt werden, bis schließlich am 9. März 1880 ein Vertrag mit der Maschinenfabrik Tidow in Hannover über die Lieferung einer Spritze geschlossen werden konnte. 900 Mark zahlte die Samtgemeinde, die fehlenden 800 Mark wurden von den einzelnen Versicherungsgesellschatten in Teilbeträgen zugeschossen. Die neue Spritze war jahrelang der Stolz der Wehr, zwar mußte sie mit 16 Mann an den beiden Druckstangen verteilt bedient werden, aber dafür erbrachte sie auch eine Wassermenge zwischen 300-320 Litern/Minute. Der Druckstrahl hatte 16 Millimeter Durchmesser und wurde je nach Windlage zwischen 24-36 Metern in der Höhe und zwischen 33-35 Metern in der Weite getrieben. Das Gewicht betrug samt allem Zubehör an Druck- und Saugschläuchen 720 Kilogramm. Eine der vielen Fragen zu der Pflichtfeueıwehr Lintorf aus dieser Zeit läßt sich beantworten, und zwar die nach ihrer Kopfzahl. Eine Anfrage von Wittlage aus dem Jahr 1879 erbrachte folgenden Sachverhalt:

Lintorf stellt 36 Mann inclusive 1 Spritzenmeister, welcher für die Reinigung und Instandhaltung der Spritze Sorge zu tragen und 2 Rohrführer “

Bereits am 23. März 1886 wurde die Telegrafenleitung von Wittlage nach Lintorf in Betrieb genommen. Jetzt konnte die Lintorfer Wehr schnell bei außerörtlichen Feuersbrünsten alarmiert werden.