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Die Nachkriegszeit

Nach der Kapitulation des Hitlerreiches und schon bei der Besetzung unseres Heimatortes durch die englische Armee wurden sämtliche Zusammenschlüsse der Deutschen ganz strikt untersagt und mit einem Federstrich verboten. Hierzu gehörte auch zunächst die Feuerwehr. Die formalen Besatzer unterstellten allen Institutionen deutscher Zunge, eine gegen sie gerichtete Wehnvolfmentalitét zu besitzen. Ausgebrochene Brände, fehlende Löschmannschaft brachten einschnelles Umdenken. Die Feuerwehr wurde wieder zugelassen, allerdings sollten die Feuerwehrleute samt der Leitung möglichst aus dem Kreis der Widerstandskämpfer gegen Hitler stammen. Nachdem auch dieser Illusionsballon zerplatzt war, gab man sich schließlich mit dem Zustand zufrieden, dass hinfort kein überzeugter Nazi einer Wehr vorstehen sollte. In Lintorf war der Brandmeister Friedrich Bals 1944 plötzlich verstorben, und so avancierte der politisch unbelastete Friedrich Jakoblinnert 1945 zum Ortsbrandmeister der Lintorfer Wehr. Ein Ereignis ragt aus den so notvollen und düsteren Nachkriegsjahren für die Wehr heraus. In dem kleinen alten Spritzenhaus befanden sich zwei Feuerspritzen und der Leichenwagen der Samtgemeinde. Noch war Nostalgie ein seltenes Fremdwort, daher wurde die alte Handdruckspritze, mittlerweile hochbetagt, mit ihren 66 Jahren 1946 einfach verschrottet. Letztmalig war ihr Dienst beim Auspumpen eines Brunnens gefragt gewesen, jetzt ging sie für immer. Mit der DM von 1948 und der zunächst langsam anziehenden Konjunktur kamen auch die Wünsche der Wehr nach technischen Verbesserungen. Als erstes wurde ein gebrauchter Tragkraftspritzenanhänger beschafft, den man hinter einem Trecker oder einem Maschinenwagen ankoppeln konnte. Dann wurde ein hölzerner Trockenturm für die Trocknung der Schläuche installiert. Das erforderliche Holz für den Turm Wurde durch Spenden der Waldbesitzer aufgebracht. Viele ältere Lintorfer werden sich sicherlich an die einfachste Gestaltung des Äußeren dieses kleines Spritzenhauses, der als reiner Nutzbau zur Unterbringung der Löschgeräte und des Totenwagens diente, erinnern. Er war eingeschossig, einräumig und hatte ein giebelseitiges Ausfahrtsstor. In der Zeit der Weimarer Republik, also bis 1933, vollzog sich ein entscheidender Wandlungsprozess in der Organisation und Ausrüstung der Feuerwehren. Es kam der Einzug der Motorisierung, neue Technologien und anschließend neue Organisations- und Ausbildungsmethoden veränderten die alten Strukturen der Feuerwehren. Vorerst kam es an der Spitze der Lintorfer Wehr zu einem Wechsel der Ortsbrandmeister. Friedrich Jakoblinnert mußte wegen seines Wohnungswechsels nach Bohmte den Posten des Ortsbrandmeisters mit Ab1auf des Jahres 1954 niederlegen. An seiner Stelle wurde August Lömker, geboren am 30. November 1900, Sattlermeister, mit dem 15. November 1955 zum Ortsbrandmeister gewählt. In den Fünfziger Jahren kam es zu einer ersten Modernisierungswelle bei den einzelnen Ortswehren im Kreis Wittlage. Zunächst verlief sie fast unbeachtet in ganz ruhigem überschaubarem Rahmen, um dann in den folgenden Jahrzehnten, begünstigt durch den zunehmenden Massenverkehr auf den Straßen, den vielen technischen Neuerungen, den neuen Baustoffen, den hochbrennbaren oder gar explosiven Stoffen, den Kunststoffen, die beim Verbrennen giftige Substanzen freisetzen, immer ausgefeiltere Löschmethoden und damit auch modernere Feuerlöschgeräte zu entwickeln. Von all dem war am 14. Juli 1956 noch nichts zu spüren, als man in der Lintorfer Wehr die neugekaufte Motorspritze Magirus Tls 8/8 von der Firma Schiereck aus Melle mit großer Freude begrüßte. Doch die neue Zeit klopfte mit dieser Neuerwerbung schon mal an die ,,Tür“ der Feuerwehr, Wobei es diesmal weniger um die Spritze als um die weiteren Begleitumstände für die Wehr ging. In Lintorf war die neuverlegte Wasserleitung mit vielen Hydranten versehen worden, die im ganzen Ort eine Löschwasserbeschaffung im Brandfalle gewährleistete. Der Zugriff auf ein riesiges Wasserreservoir, wenn man die alten Brandnotteiche dazu in Beziehung setzt, war damit gegeben. Man brauchte in Zukunft keine superlange Schlauchkonstruktion mehr, um das Löschwasser an den Brandherd zu transportieren. Ein großer Risikofaktor bei der zukünftigen Brandbekampfung wurde mit der zentralen Wasserversorgung in Lintorf ad acta gelegt. Nur bei dem Transport der Motorspritze zum jeweiligen Einsatzort benötigte man noch Fremdhilfe. Zwar kamen keine ,,Hafermotoren“ mehr zum Einsatz, aber deren Nachfolger, die Trecker, mußten schon die auf einem Anhänger verladene Spritze zum Brandort bringen. Ein ganz besonderes Detail im langen Leben der Lintorfer Wehr sollte an dieser Stelle durchaus Erwähnung finden. Im Nachhinein Werden die fünfziger Jahre als eine ganz beschauliche Zeit tituliert. Sicherlich waren sie es auch, denn noch hatte die Mattscheibe der wenigen installierten Fernseher nicht die Feierabende der gesamten Familie revolutioniert. Noch steckte diese Unterhaltungstechnik in den Kinderschuhen. Es Waren deshalb andere Unterhaltungsdinge sehr gefragt. Da traf es sich gut, dass auf dem jährlichen Winterfest auf Lampen Saal humoristische Einakter oder gar zweistündige Schauspiele von den eigenen Feuerwehrkameraden unterhaltsam vorgetragen wurden. Der vollbesetzte Saal fieberte mit der Laienschar und geizte nicht mit Applaus. Als noch die pferdebespannte Spritze das Rückgrat der Feuerwehr bildete, mußten die Männer der Wehr neben einer guten Kondition auch eine große Portion Geduld mitbringen. Der Schritt der Pferde bestimmte das Tempo des Fortkommens. Mit dem Trecker ging es zwar schon ein wenig schneller, auch war ein Teil der Feuerwehrmänner mit Motorrädern, Mopeds und den al1gegenwärtigen Fahrrädern ziemlich schnell am Einsatzort. Die Tendenz bei der Feuerwehr ging mit den Jahren zum Einsatz von Gruppenfahrzeugen. Vorerst war es noch nicht soweit. Für die hörbare Alarmierung der Wehr im jeweiligen Bedarfsfalle wurde 1959 auf dem Trockenturm neben dem alten Feuerwehrhaus eine Alarmsirene installiert, die jeden Samstag um 12.00 Uhr zur Überprüfung ihrer Funktionsfähigkeit eingeschaltet Wurde. Bei einem Einsatz stellte sich als großer Mangel heraus, dass diese eine Sirene nicht alle Lintorfer in ihren Häusern erreichte. Das kleine Feuerwehrgerätehaus genügte seit langem den gestiegenen Ansprüchen der Wehr nicht mehr. Außer den trockenen Abstellpltzen für Spritze und Leichenwagen war in dem kleinen einräumigen Bruchsteingebäude sonst kein Platz. Die Wehr wollte mit aller macht mehr. Ihr schwebte ein modernes Feuerwehrgerätehaus mit einem Versammlungs- und Schulungsraum, mit Stellplätzen für Feuerwehrmotorfahrzeuge und davor Parkplätze für die Wehrangehörigen vor. Am 18. November 1961, einem Sonnabend, ging dieser langgehegte Traum in Erfüllung. Die Motorspritze mit sämtlichen sonstigen Feuerlöschgeräten wurde in einem feierlichen Zug zu ihrem neuen Standplatz, dem frisch gebauten neuen Gerätehaus, geleitet. Der gewählte Bauplatz war Gemeindeeigentum und hat eine ganz lange Vorgeschichte. Ursprünglich und über viele Jahrhunderte als Vergrabeplatz für gefallenes und durch Seuchen verendetes Vieh durch den Abdecker gedacht und betrieben, daher auch der Name ,,Füllkuhle“ für das Gelände, späterhin als Richtplatz für Fachwerkkonstruktionen der Häuser und Scheunen genutzt, vor dem letzten Krieg mit einem holzumplankten Müllabladeplatz versehen, im letzten Krieg und viele Jahre danach mit einem ,,Behelfsheim“ der Frau Klausing besetzt, wurde es jetzt Standort des Neubaues für die Feuerwehr. Zwar lag sein Standort nicht mehr im Ortskern, war aber dafür von allen Seiten frei erreichbar. Die Ortschaft war infolge der expandierenden Geschäfte der Firma Hamker und deren große Gewerbesteuerzahlungen in der Lage, einen solchen für diese Zeit großen Bau zu finanzieren. Die Feuerwehr aber ganz stolz, eine solche ausgezeichnete Heimstatt zu beziehen.