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Die Wehr im Dritten Reich

Das Kreisverbandsfest in Lintorf am 25. ]uni 1933 wurde ganz groß gefeiert. Noch wehten am Festplatz in Schmiedings Wiese zwei schwarzweißrote, eine gelbweiße und eine Hakenkreuzfahne, so dass die nationalen Parteien, die Welfenpartei und die Nationalsozialisten sich angesprochen fühlten. Lintorf prangte mit Maibüschen und zahllosen Ehrenpforten einschließlich seiner dreiFestzelte an diesem Tag.

 

Bei der Delegiertenversammlung kamen die ersten nationalsozialistischen Propagandatöne zum Tragen. ,,Die Treue aller Feuerwehrmänner, die die Bannerträger der Nächstenliebe seien, auf die nationale Regierung und ihren Führer“ wurde beschworen. Ein großer Festumzug mit mehreren Kapellen, einundzwanzig Wehren und einer Sanitätskolonne zogen mitsamt den Kutschwagen der Veteranen durch den Festort.

 

Am 2. Oktober 1933 Wurde der siebzigjährige Leutnant und stellvertretende Hauptmann der Lintorfer Wehr, Hermann Bröer, durch einen Fackelzug geehrt. Aus diesem Anlaß erhielt er ein Ehrenbeil verliehen. Noch gab es keine Altersbegrenzungen bei den Feuerwehrleuten. Erstmalig wurde aus der Lintorfer Wehr ein Angehöriger zur Feuerwehrfachschule nach Celle entsandt. Herr Bals nahm an dem Kursus vom 13. bis 18. November teil. Die endgültige Liquidierung der Feuerwehrsatzungen aus der Weimarer Republik durch die Nationalsozialisten erfolgte mit dem Erlaß des Preußischen Feuerlöschgesetzes vom 15. Dezember 1933 in Verbindung mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar 1934 mit seinen Angleichungsbestimmungen, Wonach die außerpreußischen Feuerwehren sich den preußischen gleichzustellen hatten. Diese gesetzliche Regelung bewirkte einheitlich:

 

  1. Die Abschaffung der Wahlen in den Feuerwehren und die Einführung des fundamentalsten Grundsatzes der nationalsozialistischen Weltanschauung, nämlich des Führerprinzipes, in den Feuerwehrorganisationen.

  1. Die bewußte Unterstellung der Feuerwehren unter den Ortspolizeiverwalter und damit die Aufsicht der Polizeiaufsichtsbehörde.

  2. Den Beginn einer staatlichen Bevormundung der Feuerwehren überhaupt.

 

Eines der Wesensmerkmale der Feuerwehr ist die rechtliche Anbindung an die jeweilige Kommune als Trägerin. Dieser Grundsatz wurde während der nationalsozialistischen Herrschaftszeit zugunsten einer zentralen, konzentrierten und paramilitärischen Organisationsstruktur (Feuerlöschpolizei) aufgegeben. In der Generalversammlung am 2. März 1934 wurde dann die Liquidation des Feuerwehrvereins Lintorf aufgrund des Gesetzes über das Feuerlöschwesen vom 15. Dezember 1933 beschlossen. Gleichzeitig erfolgte anschließend die schriftliche Verpflichtung, aufgrund dieses Gesetzes in die zu bildende Freiwillige Feuerwehr einzutreten. Dreiunddreißig Mitglieder der Wehr verpflichteten sich, den Löschdienst nach Angabe der Ortspolizeiverwaltung in der bisherigen Weise auszuüben. Eine nicht alltägliche Ehrung wurde den beiden langjährigen Führern der Wehr, Dietrich Rohdenburg und Hermann Bröer, am 3. April 1934 zuteil. Beide wurden zu Ehrenoberführern mit der Erlaubnis zum Tragen der alten Uniform und des Ehrenbeiles bis zu ihrem Lebensende ausgezeichnet. Vermutlich ist diese Auszeichnung auf den Anfang des Dritten Reiches und einer gewissen Anhänglichkeit an die vergangenen Zeiten zu werten, denn von ähnlichen Ehrungen ist in den späteren Hitlerjahren auf keinen Fall mehr die Rede. Im Gegenteil, die Farbe der alten Leinenkittel und Tuchröcke wurde durch Einführung zum Nachtblau der Preußen, das ab dato reichseinheitlich galt. Neue unbekannte Dinge kamen auf die Lintorfer Wehr zu: Appelle, Auf- und Werbemärsche, sogar die abgehaltenen Übungen glichen in Form und Disziplin denen der SA und des Militärs. Mit 10km-Fußmärschen sollten Wehrwille und Kondition der Feuerwehrmänner ,,gestählt“ werden. Eine reichseinheitliche Feuerschutzwoche, gekoppelt mit einer Entrümpelung der Dachböden wurde in Zusammenarbeit mit der NSV, NSDAP und der Ortspolizeibehörde auch in Lintorf durchgeführt. Jährlich erschien nun die Wehr mit der Sammelbüchse des Winterhilfswerkes in der Hand in den Häusern und auf den Straßen. Galt doch jede Sammlung einer Schlacht, die zum großen Sieg führen sollte. Mit dem 1. August 1934 Wurde der Brandmeister Friedrich Bals als alleiniger Vertreter der Lintorfer Wehr nach dem damaligen eingeführten Führerprinzip vom Amtsgericht in Bad Essen zugelassen. Der nächste Schritt hin zu einem bedingungslosen Obrigkeitsstaat vollzog sich mit dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 2. Dezember 1938. Hiermit wurde die Eingliederung der Feuerwehren in das Polizeikorps des Reiches vollzogen und eine zentrale einheitliche Reichsorganisation geschaffen.

 

,,Neben der Feuerschutzpolizei als Vollzugspolizei traten die Freiwilligen und die Pflichtfeuerwehren als Hilfspolizeitruppe, deren Aufgaben im einzelnen festgelegt wurden. Die bisherigen von den Freiwilligen Feuerwehren gebildeten Vereine und Verbände wurden aufgelöst. An ihre Stelle trat als Organ des Ortspolizeiverwalters die Freiwillige Feuerwehr als Hilfspolizeitruppe.“

 

Wieder einmal funktionierten die Feuerwehrleute, wie es der Staat von ihnen erwartete. Sie sammelten weiter für das Winterhilfswerk und halfen in der Folge, die Deutschen den Luftschutz zu lehren. Noch waren Sand, Wassereimer, Feuerpatschen, Luftschutzspritzen und Gasmasken bestaunte neue Dinge, allerdings sollte sich das bald ändern. Mit dem Kriegsbeginn 1939 und in den nun folgenden Kriegsjahren entschwanden die jungen belastbaren Jahrgänge aus der Wehr zu den vielen Fronten in ganz Europa und Nordafrika. Der Personalbestand der Wehr schrumpfte auf ein ganz bedrohliches Maß zusammen. Der Staat musste gegensteuern und arbeitete mit Dienstverpflichtungen. In Lintorf wurden neun Männer am 20. Februar 1941 zum Feuerwehrdienst dienstverpflichtet. In dem Protokollbuch der Wehr wird unter dem 11. März 1941 noch penibel unterschieden zwischen ,,Aktiven“ und ,,Reservefeuerwehrleuten“. Bereits Anfang 1942 wurde dann vom Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, verfügt, dass zum Ausgleich der Personalabgänge der Feuerwehren die Ergänzung durch geeignete Volksgenossen ohne Ansehen der Person im Wege der Heranziehung zum kurzfristigen Notdienst möglich wurde. Hiermit waren vor allem Funktionsträger der Partei gemeint, die sich bis dahin erfolgreich gegen diese Dienstverpflichtung gewehrt hatten. Ende 1942 wurden dann die Hitlerjungen zur Ausbildung und zum Einsatz bei der Feuerwehr kommandiert. Lintorf bekam im Gegensatz zu anderen Orten keinen Hitlerjungenwehrzug. Eine durchgreifende Modernisierung brachte das Kriegsgeschehen, bereits 1941 bekam die Wehr eine Motorspritze der Marke Rosenbauer, eine Tragkraftspritze, die auf einem zweirädrigen hölzernen Wagen mit Deichsel und Querholm befördert werden musste. Sie wurde wie ein Handwagen von den Feuerwehrleuten zum Einsatz gezogen. Bei auswärtigen Einsätzen mußte ein Lkw der Firma Hamker oder Jürgendetmer die Tragkraftspritze zur Schadenstelle transportieren. Der Lintorfer Ortsbrandmeister Friedrich Bals war auf dem Weg zu einem Lehrgang an der Feuerwehrschule in Celle. Er mußte mit der Kreisbahn von Lintorf abfahren. In voller Uniform erlag er 1944 einem Herzschlag auf dem hiesigen Bahnhof. Als die Reichsverteidigung mit ihrem Volkssturm auch die allerletzte Männerreserve abzog, da mußte eine aufgestellte Mädchen- und Frauengruppe die Belange der Feuersicherheit innerhalb der Wehr übernehmen.