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Führung und Ausbildungsaufgaben

Am 31. Januar 1962 wurde Erwin Stoebel zum Ortsbrandmeister gewählt, er führte die Lintorfer Wehr bis Ende 1975, denn im Dezember dieses Jahres erfolgte seine Wahl zum Gemeindebrandmeister. Unter seiner Führung während der dreizehn Jahre sind viele gesellige Veranstaltungen und dadurch auch derZusammenhalt in der Gemeinschaft gefördert worden. Die jährlich durchgeführten Winterfeste mit den einstudierten, sehr erfolgreichen Theatervorführungen sind neben den Einsätzen und Übungen ein Markenzeichen jener Zeit geworden. Der aufgeklärte, der Allgemeinheit sich verpflichtet fühlende Bürger nimmt seinen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr auf. In diesen freiwilligen Zusammenschlüssen herrscht noch ein echter Kameradschaftsdienst und ebenfalls ein Sportsgeist, der sich vor allem bei den Wettkämpfen zeigt. Aber auch die andere Seite dieser Medaille darf hier nicht unerwähnt bleiben: Welches Dorf ringsum möchte ohne die Hilfe der Feuerwehr und ohne dessen jährlichen Ausflüge und Feste sein? Die gewachsenen Bindungen aus der Wehr spielen auch weit ins gesellschaftliche, berufliche und oıtspolitische Leben hinein. Außerdem benötigen alle Feuerwehrmänner auch ihre „Hintermänner“, das sind die Ehefrauen, Verlobten und Freundinnen. Wenn diese Damen nicht mitziehen, können mit allergrößter Sicherheit die Partner in der Wehr nicht mitarbeiten. Für den ausscheidenden Ortsbrandmeister Erwin Stoebel wurde am 7. Februar 1976 Heinrich Nolte zum Ortsbrandmeister gewählt. Bekanntlich sind die Freiwilligen Feuerwehren mit der Zeit „Mädchen für alle und alles“ geworden. Vollgelaufene Keller, entwurzelte Bäume, abgebrochene Äste, Sturmdachschäden, Verkehrsunfälle, verunglückte Gefahrguttransporter, Hochwasser, Vermisstensuche, kurz - es gibt fast keine Hilfeleistung, keine Gefahrensituation, in der nicht auf die Unterstützung der Wehren zurückgegriffen wird. Die Feuerwehr ist immer zur Stelle, wenn „Not am Mann“ ist. Sie soll dabei in Ruhe, besonnen, aber auch entschlossen handeln! So etwas ist nicht angeboren, sondern muß erlernt und vor allem geübt werden. Es gibt daher Grundlehrgänge, wo man, wie heißt es so schön: Das ABC des Feuerwehrmannes erlernt. Doch es geht weiter: Atemschutz-, Maschinisten-, Sprechfunk-, Erste-Hilfe-Lehrgänge schließen sich an. Da unsere schnelllebige Welt voll technischer Neuerungen steckt, egal ob es sich um neue Baustoffe, um Farben und Lacke, um hochbrennbare oder gar explosive Stoffe handelt, um Kunststoffe, die beim Verbrennen giftige Substanzen freisetzen, die Feuerwehr muß sich mit deren Brennverhalten auseinandersetzen. Auch die Feuerlöschgeräte sind im steten Wandel begriffen, auch das muss vermittelt, verstanden und gehandhabt werden. Die Erste Hilfe ist oft überlebenswichtig, da ein größerer Brand meistens auch Verletzte im Gefolge hat. Dann die vielen kleinen und schweren Unfälle unserer motorisierten Welt, die Fahrzeugbrände, die Vielzahl an Verletzten und gar Toten dabei. Die Feuerwehr soll helfen, noch weit mehr, sie soll fachmännisch helfen. Oft bringt sie die Erste Hilfe am von untätigen Gaffern umstellten Unfallort. Über das Verhalten beim Brand werden Jahr für Jahr junge Feuerwehrmänner in Schulen, Kursen und Fortbildungslehrgängen unterrichtet und geschult. In diesen Lehrgängen Wird das theoretische und praktische Fachwissen vermittelt, das dann im Ernstfall draußen in der Praxis zum Tragen kommt. Wie ist das Haus aufgebaut? Wo sind zum Beipiel bei einem Bauernhaus die neuralgischen Punkte? Mancher von den Jüngeren hört dabei zum ersten Mal von Sparren, Pfetten, First- und Kehlbalken sprechen. Die große und entscheidende Frage ist dann immer: Was stürzt ein, wenn dieser oder jener Balken, vom Feuer halb verzehrt, plötzlich mit einem Ächzen nachgibt? Bei den von ihm abgehaltenen Grundlehrgängen in den einzelnen Wehrstandorten, zunächst im Altkreis, hernach in der Gemeinde Bad Essen, erwarb sich der Ortsbrandmeister Heinrich Nolte als Ausbilder bleibende Verdienste. Für sein unermüdliches Vermitteln und die zahllosen Stunden aufgewandter Freizeit wurde er am 28. April 1979 mit dem Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Insgesamt zwanzig Feuerwehrgrundlehrgänge hat er abgehalten, eine Riesenarbeit auf freiwilliger Basis. Eine ortsübergreifende technische Neuerung für alle Wehren der Gemeinde brachte das Jahr 1980. Die fernmeldetechnische Sirenensteuerung von der Rettungsleitstelle in Georgsmarienhütte wurde zur Alarmierung der Wehren verbindlich eingeführt. Von dort können die Sirenen vor Ort unmittelbar ausgelöst werden. Es war ein Schritt zu einer überörtlichen Koordinierung, doch schaffte auch diese Maßnahme keine Abhilfe für das grundsätzliche Problem, dass der Alarm in weiter vom Sirenenstandort entfernt gelegenen Häusern kaum oder nur gedämpft wahrgenommen wurde. Gebäudeisolierungen in neuer Zeit verstärken noch diesen Effekt. Daher ist davon auszugehen, dass zukünftig verstärkt auf die stille Alarmierung hingearbeitet wird. Noch flitzten bei den Wettkämpfen die Wettkampfgruppen der Ortswehren wie die Wiesel zum Ankuppeln ihrer Saugleitung und Verlegen der Schlauchleitung los, und die benötigte Zeit bis zum Kommando ,Wasser marsch“ und bis das erste Wasser das Strahlrohr verließ, wurden von den Wettkampfrichtern penibel mit der Stoppuhr gemessen. Die zeitlich schnellste Wettkampfgruppe war der Sieger bei dem abgehaltenen Wettkampf. Diese reinen Schnelligkeitswettbewerbe wurden 1981 durch eine andere Wettkampfform abgelöst. Die neue Form des qualifizierten Wettstreits, in dem Genauigkeit über Schnelligkeit entscheidet, wurde an der Landesfeuerwehrschule entwickelt und von den Feuerwehrführungskräften in der Gemeinde Bad Essen für die lokalen Wettstreite abgewandelt. Die Übung beginnt mit einer Fahrprüfung für den Lenker des Löschfahrzeuges. Er muß das Fahrzeug möglichst weit an das Anfahrhindernis, sprich im Ernstfall die Wasserentnahmestelle, heranfahren. Die Wettkampfgruppe hat anschließend zum Beispiel einen Löscheinsatz mit zwei C-Strahlrohren zu absolvieren. Während der Wassertrupp zwei B-Längen zwischen Tragkraftspritze und Verteiler auszurollen hat, ist die Aufgabe des Melders, zwei Schlauchbrücken, Warntafeln und Leuchten aufzustellen. Zunächst muß jedoch die Saugleitung verlegt und zu Wasser gelassen werden. Es bedarf schon einiger Oberarmmuskelkraft, in nur einer Minute die Saugschläuche zu kuppeln und Mastwurf und Halteschlingen zu sichern. Der Maschinist der Tragkraftspritze hat diese anzuwerfen und anschließend sachgerecht zu bedienen. Die Angriffstruppe geht im Laufschritt in die Nähe des angenommenen Brandherdes und dann: „Wasser marsch“. Als weitere Schwierigkeit bei dieser Übung muß eventuell eine B-Länge ausgewechselt werden. Dabei kommt es nicht mehr auf reine Schnelligkeit an, sondern innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit muß die Übung abgeschlossen sein. Dabei müssen alle gezeigten Handgriffe nach den vorgegebenen Feuerwehrdienstvorschriften ausgeführt werden, die ein Höchstmaß an Sicherheit für die Übenden vorsieht und vor allem im Ernstfall gewährleistet. Genauigkeit entscheidet und nicht Schnelligkeit. Das Jahr 1984 brachte einige herausragende Ereignisse für die Lintorfer Wehr. Zunächst die Beseitigung von Sturmschäden des 14. und 15. Januar, als orkanartige Windgeschwindigkeiten große Schäden an Dächern und Bäumen anrichteten. Am 3. Juni 1984 erhielt der Gemeindebrandmeister Erwin Stoebel das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold verliehen. Seine Verabschiedung als Gemeindebrandmeister erfolgte in einer Feierstunde am 1. November 1984. Der eigentliche Höhepunkt in der Feuerwehrlaufbahn von Erwin Stoebel dürfte das Jahr 1976 gewesen sein, als er die Nachfolge von Gerhard Greger im Amt des Gemeindebrandmeisters antrat. Der formelle Zusammenschluß der fünfzehn Wehren unter dem Dach der Gemeinde Bad Essen war zwar vollzogen, aber noch lange nicht die innere Einheit. Das große Verdienst von Erwin Stoebel dürfte sein, dass er mit der nötigen Ausstrahlung und Autorität diesen fünfzehn Wehren ein wachsendes Zusammengehörigkeitsgefühl gegeben hat. Der 3.]uni 1984 vereinigte am Gemeinde-Feuerwehrtag in Lintorf weit über 400 „Blauröcke“ und eine große Anzahl von Gästen auf dem Lintorfer Sportgelände. Bei den Festreden wurde folgendes beeindruckende Zahlenmaterial genannt: In der Nachbarstadt Melle kämen auf 1000 Bürger 10 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr, im gesamten Großkreis Melle seien es auf 1000 Bürger nur ganze zwei. Dagegen könne die Gemeinde Bad Essen 27 aktive Feuerwehrleute auf je 1000 Einwohner melden. Der Lintorfer Feuerwehrtag gestaltete sich zu einer wirklich eindrucksvollen Demonstration für das gesamte Feuerlöschwesen in unserer Gemeinde. Nimmt doch unter der Vielzahl von Vereinen und Organisationen die Feuerwehr einen ganz besonderen Platz ein, weil diese in selbstloser Weise für die Rettung von Hab und Gut der Mitmenschen bis hin zum Risiko und Einsatz der Gesundheit und des Lebens sich einsetze. Aus diesem Grund ist es in dieser kleinen Chronik um so notwendiger, die Würdigung der Leistungen der Wehrmänner hervorzuheben. Sie sind darüber hinaus, wie sagt man es einmal ganz unverblümt, die billigsten Arbeitskräfte in der gesamten Gemeinde Bad Essen. Mit dem 1. Februar 1986 erfolgte die Stationierung der ehemaligen Bad Essener Anhängeleiter im Lintorfer Gerätehaus. Ausgefahren erreicht diese Leiter eine Höhe von fast zwölf Metern. Im Rahmen der jährlichen Brandschutzwoche des Deutschen Feuerwehrbandes werden auch von der Lintorfer Wehr dem staunenden Dorfpublikum die eigenen Fahrzeuge und Geräte vorgeführt. Ist doch die Wehr nicht allein zum Löschen, Bergen und Retten bei Bränden da, sondern müssen darüber hinaus alle möglichen Einsätze gefahren werden. Bei schweren Verkehrsunfällen kommt oft die Rettungsschere zum Einsatz. Verunglückte Schwertransporte mit Gefahrgut müssen gesichert, aufgefangen, beseitigt, eventuell abgesperrt werden, bis Spezialisten zugezogen worden sind. Alle diese Feuerwehrleute, man kann einfach nicht oft genug darauf aufmerksam machen, arbeiten ehrenamtlich. Die leidige, so schnell dahinfliegende Zeit machte auch vor den Mitgliedern der Lintorfer Wehr nicht halt. Der verdiente Ortsbrandmeister Heinrich Nolte gab sein Ehrenamt am 1. Mai 1988 ab. Sein Amtsnachfolger Hermann Bunselmeyer war bereits am 6. Februar 1988 gewählt worden. In einer Feierstunde wurden die außerordentlichen Verdienste von Heinrich Nolte gewürdigt. Waren doch fast 80 Prozent aller damals tätigen Feuerwehrmänner innerhalb der Gemeinde Bad Essen und auch außerhalb im aufgelösten Altkreis Wittlage durch ihn in Grundlehrgängen ausgebildet worden. Er war auf Altkreis-Ebene viele Jahre Ausbildungsleiter und danach innerhalb der Großgemeinde Bad Essen. In der Laudatio wurden ihm fachliches Wissen, Kameradschaft und stete Hilfsbereitschaft bescheinigt. Neben der laufend verbesserten fachlichen Ausbildung der Feuerwehrmänner, Gruppenführer und Löschmeister stiegen auch die Qualifikationen für die Ortsbrandmeister. Sie müssen mindestens die Ausbildung zum Gruppenführer absolviert, zwei technische Lehrgänge und den Kurzlehrgang „Leiter der Feuerwehr“ vorweisen können. Eine weitere Motorisierung der Wehr brachte der 19. September 1990, als die Fahrzeugabnahme eines LF-8 in Celle erfolgte. Es ist ein Löschfahrzeug für eine Gruppenbesatzung. Auch bei der überörtlichen Besetzung von Führungsposten innerhalb der Wehren in der Gemeinde Bad Essen war die Lintorfer Wehr erfolgreich, denn am 4. Februar 1995 wurde Jürgen Wilms zum stellvertretenden Gemeindebrandmeister gewählt. Ein ganz neuer Trend bei den Feuerwehren wird erkennbar. Viele lange Jahrzehnte und bis in die Neuzeitjahre waren die Mitglieder der Lintorfer Wehr ausschließlich Männer. Im allgemeinen Sprachgebrauch war überall und immer von Feuerwehrmännern die Rede, niemals von Feuerwehrfrauen. Sicherlich kann man dem Schreiber dieser Zeilen das Kriegsende 1945 vorhalten, als wegen Fehlen der Männer, die an der Front oder im Volkssturm Dienst taten, die jungen Frauen im Dorf Feuerwehrdienst nach ihrer Verpflichtung durch die Behörden machen mußten. Es war nur ein kurzes zeitliches Zwischenspiel, das aus der Not geboren wurde. Nach der erfolgten deutschen Kapitulation und anschließend unter der britischen Militärregierung, als die Feuerwehren wieder zugelassen wurden, da gab es keine Feuerwehrfrauen in Lintorf im aktiven Dienst mehr. Mit dem 1. August 1998 tritt erstmals in der langen, langen Geschichte der Lintorfer Wehr ein weibliches Ortsmitglied, Heike Wilms, in diesen bisher ausschließlich den Männern vorbehaltenen Zusammenschluß ein.