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Motorisierung der Wehr

Im ]uli 1962 erhielt die Wehr ihre ersten motorisierten Einsatzfahrzeuge. Ein TSF sollte die Tragkraftspritze in dauernder Bereitschaft für den Einsatz halten. Dadurch entfiel das Zugfahrzeug, ein Lkw oder Trecker, für den Tragkraftspritzenanhänger. Das Blaulicht auf dem Führerhausdach mitsamt dem eingebauten Martinshorn sorgten hinfort für freie Fahrt. Am 28. ]uli 1962 wurde das Staffelfahrzeug der Marke Ford Taunus in einer kleinen Feierstunde vom amtierenden Bürgermeister I-Iallmann der Wehr unter der Leitung des Ortsbrandmeisters Stoebel übergeben. Zug um Zug wurden in den folgenden Jahren modernste Hilfsmittel zur Brandbekämpfung angeschafft. Solches galt vor allen Dingen für den 30. Oktober 1971, als das neue Tanklöschfahrzeug (TLF 16) ausgeliefert und in Dienst gestellt werden konnte. Der Kaufpreis von 60000 DM war für die Ortschaft ein nicht unbeachtlicher Batzen Geld. Außerordentlich gute Dienste leistete dieses mobile Tank1öschfahrzeug bei der Bekämpfung von Waldbränden, da das mitgeführte Löschwasser eine schnelle Ausbreitung des Feuers über den Waldboden verhinderte. Die Lintorfer sind praktische Leute, und wenn schon ein solch teures Fahrzeug, dann kann man es natürlich auch zum Schneeräumen auf den Dorfstraßen einsetzen. Das Fahrzeug war dafür natürlich nicht konzipiert, aber was soll es, dass ein solch teures „Schätzchen“ nur in der Garage stehen sollte, solches sah man nicht ein. Ein Umstand sprach eigentlich dagegen, die fehlende Lenkhilfe bei diesem schweren Fahrzeug. Bei ihm war noch die reine Oberarmmuskelkraft bei jeder Richtungsänderung gefragt. Heute, wo selbst Kleinwagen eine Servolenkung besitzen, die die Lenkeinstellkraft des Fahrers verstärkt, kann man die fluchenden Feuerwehrmänner besser verstehen, die einen solchen „sturen Bock“ über die verschneiten Ortsstraßen bringen mußten. Aus den vielen Zahlen und Daten der Wehr sei an dieser Stelle nur eine genannt: 278 Stunden waren im Winter 1979 die Feuerwehrmänner mit dem „Tanker“ mit vorgebautem Schneeschieber zum Räumen unterwegs. Ein Datum ist allen Zeitzeugen noch gut gegenwärtig, trotz aller dazwischen liegenden Jahre, der 5. ]anuar 1974, als wegen der Ölkrise selbst alle Feuerwehrfahrzeuge dem absoluten Fahrverbot unterlagen. Kein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor durfte ohne obrigkeitliche Genehmigung auf den Straßen bewegt werden. Die Lintorfer Wehr wurde zu unzähligen Einsätzen in ihrer langen Geschichte gerufen. Es ist völlig unmöglich, alle diese Einsätze in dieser kleinen Chronik aufzuführen. Nur bei dem Großereignis des Jahres 1975 soll die berühmte Ausnahme gemacht werden. Es war die riesige Waldbrandkatastrophe in der Lüneburger Heide, wo sämtliche Wehren, auch die von Lintorf, in so eindrucksvoller Weise bestätigt haben, wie das Leitmotiv der Wehren „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ in die Praxis umgesetzt wurde. War doch diese Katastrophe mit den toten Feuerwehrkameraden einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Einmalig war sicherlich auch die gezeigte Einsatzbereitschaft der unzähligen freiwilligen Helfer, die sich mit all ihrer Kraft zur Bekämpfung dieses riesigen Brandes eingesetzt haben. Insgesamt haben die Feuerwehrmänner aus dem Landkreis Osnabrück 20000 Stunden im harten Dienst gestanden. Die von allen Wehren erbrachten hervorragenden Leistungen bei dieser Waldbrandkatastrophe und den übrigen Brandfallen während der Trockenperiode 1975 waren durchaus nicht dafür geeignet, daß man mit dem Rotstift immer wieder bei der Haushaltsstelle Feuerwehr ansetzte. Die Bürgerinnen und Bürger aller zugehörigen Orte der Großgemeinde Bad Essen erachten es als eine reine Selbstverständlichkeit, dass der Feuerschutz ihrer Häuser immer und zu jeder Zeit von der eigenen Wehr garantiert wird. Sie stellen damit, vermutlich ohne tiefer in die Materie einzudringen, die Freiwilligkeit der Feuerwehrangehörigen als einen jederzeit allseits abrufbaren Dienst für ihre materiellen Interessen hin. Wenn das so bleiben soll, dann müssen die Wehren durch finanzielle Zuwendungen so gestellt sein, dass das technisch ausgereifte am Markt befindliche Feuerlöschgerät auch ohne viele Bittgänge in ihren Besitz gelangt.